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Lagerbericht Tanz auf Tenne – Gesamtband

Wie jedes Jahr pünktlich zur Osterzeit trafen sich drei Mountainbiker am 26. März morgens um vier am Flughafen Hannover bei lauschigen 4 Grad und Regen. Diesmal wollten wir Teneriffa befahren, die größte Kanareninsel mit einem ca. 2000 Meter hoch gelegenen Plateau und dem nochmal 1720 Meter höheren Gipfel des Pico del Teide.

Nach den La Palma-Erfahrungen im letzten Jahr steckten wir uns folgende Ziele:

  1. Es so locker angehen lassen, dass man nachmittags noch einen Kaffee am Strand trinken und in die Wellen hüpfen kann.
  2. Weniger fahren als letztes Jahr, um auch nach drei Tagen noch Lust zum Biken zu haben.
  3. Mindestens wieder genausoviel Spaß haben.

Tour 1

Ankunft auf Teneriffa um 10 Uhr (23 Grad, Sonne), Ankunft im Hotel um 12 Uhr, Abfahrt zur ersten Tour um 1 Uhr. Erstmal nur den Ort (Puerto de la Cruz) anschauen, mit etwas Glück einen netten Weg runter. Das Ortsschild befand sich nur 1000m entfernt, allerdings gingen die direkt nach oben. Mit einem kleinen Schlenker waren wir recht flott auf 1500müNN. GPS machts möglich, Schorsch hatte zum Glück ein paar Trails parat bis fast zurück zum Hotel. Allerdings stand nichts davon im GPS, dass einige Wege dornenübersät waren, weshalb Koffer auch gleich mal die Luft ausging. Allerdings nicht nur ihm, auch ich hatte ordentlich zu schnaufen, da ich noch mit einem kleinen Husten zu kämpfen hatte. 42km, 1500hm, 3 Stunden.

Tour 2

Im Internet stand was von großer Teide Runde, alle Empfehlungen lauteten mit dem Bus zum Hochplateau auf 2000m zu fahren und erst dort zu starten, da man sonst vermutlich nicht um den Teide herum, sondern gleich wieder auf der Straße herunterfahren würde. Wir hatten noch kurz gezweifelt, ob wir langsam alt werden, besonnen uns dann aber doch auf die gesteckten Ziele. Im Bus nach El Portillo, ca. 2000m üNN, saßen wir gemeinsam mit ca. 20 Locals und allesamt Downhiller. Dort startete unsere Tour und ging zunächst ein großes Stück auf der Straße durch den Nationalpark, vorbei an der Seilbahnstation und dem berühmten Höhenlager Hotel, in dem die GS1 Teams häufig wohnen. Außerhalb des Nationalparks ging es recht schnell auf eine Schotterpiste auf der wir den Teide umrundeten und schöne Blicke auf La Gomera, La Palma und El Hierro hatten. Wobei man den groben Schotter aus Vulkangestein dort nicht unbedingt mit einem Schotterweg im Deister vergleichen kann - wir sprechen von hochalpinem Gelände.
Hatte ich schon erwähnt, dass die dünne Luft oben deutlich (!) spürbar ist? Für die letzte Abfahrt wollten wir die breite Schotterpiste umgehen und uns einen lustigeren Trail suchen. Prompt trafen auf die Guardia Civil, die uns auch sofort anhielt und unterstellte, dass wir aus dem Nationalpark kämen (dort darf nur auf Straßen gefahren werden, Schotterpisten sind den Wanderern vorbehalten). Glücklicherweise hat Schorsch ja in Zürich eine Spanierin am Start und konnte erklären, dass wir nur dumme Touris aus dem Wald sind. Im Anschluss fanden wir noch eine schöne 1800 Höhenmeter Abfahrt, die unsere Bremsen beinahe zum Glühen brachte. 87km und 1000hm (3000hm bergab), 6 Stunden

Tour 3

Nach der doch sehr anstrengenden Tour vom Vortag sollte es heute ruhig werden, um anschließend baden zu gehen. Also schnell hochgeshuttelt und dann hauptsächlich runter. Auf den folgenden 47km und 1000hm (3000hm bergab) legte sich Koffer 2 mal leicht und ich mich einmal etwas doller ab, was mich meinen Helm kostete und mir ein paar Kopfschmerzen einbrachte. Da hatten wir viel Glück.

Tour 4

Frisch ausgeruht konnten wir heute wieder eine etwas größere Runde in Angriff nehmen, wobei wir etwas parallel zur Küste raus aus dem Ort wollten und dann auf einem als Mountainbikepiste markierten und uns (von der Teide Umrundung) teilweise schon bekannten Höhenweg zurück wollten. Dabei erwies sich der Aufstieg als sehr schwer, da es den Beruf des Straßenbauers in Teneriffa wohl nicht gibt, eher scheinen die Leute dort, wo sie eine Straße brauchen, Beton den Berg runterzuschütten. Schöne kleine Sträßchen mit teilweise 25-28% Steigung (über 3 oder 4 Kilometer!!) brachten mich des Öfteren zum Schieben. 70km, 1700hm.

Tour 5

Der 5 Tag war Ruhetag (wir werden alt), ich pausierte wegen eines Infekts auch am 6 Tag. Ich hatte vom Arzt kleine blaue Helferlein verschrieben bekommen, nichts mit V sondern Antibiotika, die mich von nun an täglich begleiteten. Koffer und Schorsch sind zu einer Tour am anderen Ende der Insel aufgebrochen und kamen abends etwas frustriert zurück, da sie fast 2000 der 2400hm des Tages zu Fuß runtergetragen haben, da die Wege nicht fahrbar waren (Koffer wollte den Alpenzorro als Dank für seine bei GPSies hochgeladene Tour noch entmannen, aber er hatte sich nach 2 Flaschen Wein wieder im Griff).

Tour 6

Wenigstens einmal wollten wir den Berg selber bezwingen und sind an dem Tag hoch nach El Portillo. 2000hm am Stück sind allerdings doch etwas anders als wenn man eine Tour mit 4 Mal 500 Höhenmetern fährt. Für mich fühlte sich das so an: Die ersten 1000hm kann man ganz gut so wegdrücken, wie es so schön heißt. Von 1000 bis 1500 beginnt es langsam anstrengend zu werden. Die letzten 500hm sind einfach nur die Hölle, da die Muskulatur (insbesondere im Rücken) nicht daran gewöhnt ist, dauerhaft solche Leistungen zu erbringen. Wir sind mit einer Fahrzeit von knapp 3 Stunden hoch (wer jetzt Wattrechnen will: Mein Systemgewicht liegt bei 105kg) und dabei im guten Marathontempo unterwegs gewesen. Runter ging es dann auf einer Downhillstrecke, die uns die Locals am 2. Tag verraten hatten. Die war ganz schön, aber teilweise ziemlich steinig. 56km und 2000hm.

Tour 7

Am diesen Tag ging es wieder mit dem Bus hoch, um oben gen Osten zu fahren und von dort durch Lorbeerwald zurück. Kurz nachdem es losging, rollte das Team Liquigas an uns vorbei, mit Pelizottel am Ende der Gruppe. Also kurz den Fotoapparat raus und hinterhergesprintet, um ein paar Schnappschüsse zu machen. Doch halt, da war doch was? Ach ja, meine Kondition war wohl am Strand geblieben, es war leider nicht möglich auch nur 200m mit dem Team mitzufahren. Ich hatte allerdings auch den Eindruck, dass das gesamte Team genau soviel auf die Waage bringt wie wir drei, vielleicht war das der Grund. Jedenfalls ging es dann auf Straße runter in die an diesem Tag recht dicke Wolkendecke. Hier war es mit 10 Grad auch recht kühl. Allerdings ging es alsbald wieder in die Sonne und auf Waldwegen Richtung Hotel. 77km, 1100hm (und 3100 bergab)

Tour 8

Am letzten Tag wollten wir es uns nochmal richtig geben: Per Rad zum höchstmöglich erreichbaren Ort auf der Insel, auf 2700m. Also ging es zunächst wieder nach El Portillo auf 2000m, diesmal in etwas unter 3 Stunden. Die Wolken hingen allerdings diesmal sehr tief, sie fingen auf 1000m an und waren auch in El Portillo noch nicht zu Ende, einige Höhenmeter weiter auf 2200 kam allerdings die Sonne durch. Schlagartig wurden aus den 10 Grad Nebel 25 Grad und Sonne. An der Abzweigung zum höchsten Punkt stellten wir fest, dass der Weg für Räder gesperrt war. Da wir nicht wandern wollten, fuhren wir auf dem Hochplateau weiter zu dem Liquigashotel, wo ich mir ein belegtes Brötchen für sage und schreibe 5 Euro 50 gegönnt habe.
Nach ausgiebiger Rast ging es durch den Nebel zurück Richtung Hotel, auf dem Camino del Teide, dem schönsten Trail der Insel. Der Nebel verdichtete sich zu Regen und insbesondere Sascha, der aus Gewichtsgründen fast jegliche Extrabekleidung zu Hause gelassen hatte, litt wie ein Schwein und fuhr schließlich auf der Straße zurück. Unten haben wir uns und die Räder noch schnell abgekärchert, dann war der Urlaub auch schon zu Ende. 89km 2600hm.

Fazit: DIE Entdeckung des Urlaubs war für mich der Rad-Rucksack, in dem stets Armlinge, Beinlinge, Regenjacke, Werkzeug, Zusatztrinken und eine ordentliche Stulle waren. Braucht man hier im Deister nicht, wenn man durch hochalpines Gelände fährt, wo es gerne mal Temperaturschwankungen von ca. 20 Grad gibt, möchte ich ihn nicht mehr missen. Ich nehme ihn jetzt auch im Harz mit…

Und noch ein paar Bilder in der Galerie

     
     

Tenne

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