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Allgemeine Informationen zu Radtourenfahrten

Das Rad-Touren-Fahren (RTF) ist die bekannteste und meist verbreitete Veranstaltungsform des Radsports für Jedermann im Bund Deutscher Radfahrer e.V.. Organisierte Radtourenfahrten haben im letzten Jahrzehnt als Breitensport einen regelrechten Boom erlebt. Es hat sich eine Veranstaltungsszene etabliert, in der Sportler jeder Alters- und Leistungsklasse ein passendes Betätigungsfeld finden. Mehrere hundert Termine an den Wochenenden von März bis Oktober locken dabei Tausende auf das Rennrad und bieten eine nahezu unüberschaubare Vielfalt an Streckenprofilen und Schwierigkeitsgraden. RTF-Veranstaltungen bieten damit vom Gelegenheitsfahrer bis hin zum leistungsorientierten Hobbysportler mit über 10.000 Km Fahrleistung pro Jahr jedem ein Betätigungsfeld und sprechen alle die an, die nicht (nur) an Lizenz-Rennen teilnehmen können oder wollen.

Trotz der hohen Teilnehmerzahlen finden diese Veranstaltungen außerhalb der RTF- und Vereinsszene meist nur wenig Beachtung. Ursache dafür dürfte nicht zuletzt die Tatsache sein, dass Breitensportveranstaltungen im Radsport in den Medien und der Öffentlichkeit generell viel weniger Interesse entgegengebracht wird als etwa im Laufsport. Deshalb bieten wir mit den folgenden Ausführungen ein paar grundlegende Informationen an, um das Interesse an derartigen Veranstaltungen zu wecken.

Es gibt keinen Sieger, wozu dient eine RTF eigentlich?

Sportliches Radfahren steht beim Radtourenfahren im Vordergrund; alleine und/oder in der Gruppe. Da keine Zeitnahme erfolgt und meist vier parallel angebotene Strecken (zwischen 40 und 160 km) zur Wahl stehen, ist eine individuelle Belastungsmöglichkeit gegeben. Durch diese persönliche Dosierungsmöglichkeit der Belastungsgröße kommt das Radtourenfahren besonders den gesundheitsfördernden Ansprüchen entgegen. Regelmäßiges Radfahren verbessert die Herz-Kreislauf-Funktion und ist, im Gegensatz zum Laufen, auch für gewichtige Personen besonders zu empfehlen!

Ich kann doch auch alleine Radfahren!

Bundesweit werden jährlich von über 1.000 Mitgliedsvereinen Veranstaltungen organisiert. Da bei den meisten Veranstaltungen der "öffentliche Verkehrsraum als Sportstätte" genutzt wird, suchen die Vereine bewusst verkehrsarme und vor allem landschaftlich reizvolle Strecken der jeweiligen Region aus. Diese Angebote zeichnen sich in der Regel dadurch aus, dass es keine Zeitnahme gibt, denn diese ist den Veranstaltern in Deutschland sogar ausdrücklich untersagt, um nicht einen "Pseudo"-Renncharakter zu fördern. Ziel einer RTF ist es nicht, eine Strecke um jeden Preis schnell zu bewältigen. Ambitionierte Fahrer suchen die Herausforderung vielmehr in der Bewältigung möglichst langer Touren oder im Sammeln von Wertungspunkten für die RTF-Jahreswertung. Dadurch ist es allen Teilnehmern möglich, in einer selbst gewählten Geschwindigkeit und ohne Zeitdruck die Touren zu fahren. Sofern es Streckenprofil und Verkehrslage zulassen, kann natürlich auch schnell mal ein kleines Hobbyrennen ausgefahren werden.

Gerade die Tatsache, dass der ein oder andere Teilnehmer eine RTF mit einem Rennen verwechselt und sich dementsprechend verhält, hat in der Vergangenheit allerdings verschiedentlich zu Problemen zwischen den Veranstaltern und den für die Genehmigung zuständigen Behörden geführt. In Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet, in denen bei RTFen Teilnehmerzahlen von bis zu 1.000 und mehr keine Seltenheit sind und die Verkehrsinfrastruktur ohnehin durch den motorisierten Verkehr bis an die Kapazitätsgrenze ausgelastet ist, ist der Ärger dann vorprogrammiert.

Was ist denn mit Verkehrsregeln?

Mit der Erteilung der Genehmigung verbunden sind in der Regel verschiedene Pflichten für den Ausrichter. Die wichtigste davon, die auch eine direkte Auswirkung auf das Verhalten eines jeden Teilnehmers hat, ist die Verpflichtung zur Einhaltung der Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung, denn eine RTF ist keine Radrennveranstaltung auf abgesicherten Kursen. Das bedeutet für jeden Teilnehmer:

  • an einer roten Ampel muss gewartet werden,
  • Stopschilder sind zu beachten,
  • vorhandene Radwege müssen genutzt werden,
  • auf andere Verkehrsteilnehmer ist Rücksicht zu nehmen,
  • Behinderungen sind zu vermeiden.
  • ausgegebene Rückennummern sind deutlich sichtbar zu tragen.

Nur wenn sich alle an diese Gebote halten, werden die benötigten Genehmigungen - vor allen in Ballungsräumen - von den zuständigen Verkehrsbehörden weiterhin erteilt. Also hängt es von jedem Einzelnen ab, ob die engagierten Vereine das bewährte Breitensportprogramm im öffentlichen Verkehrsraum fortlaufend anbieten können, damit alle weiterhin ihre Freude an diesem schönen Freizeitsport haben können.

Wie verhalte ich mich auf der Strecke?

Die hohen Teilnehmerzahlen erleichtern indes auch die Suche nach einer Gruppe, die der eigenen Leistungsstärke entspricht. Wer feststellt, dass er tempomäßig unter- oder überfordert wird, lässt sich einfach ein wenig zurückfallen und wartet auf eine schnellere oder langsamere Gruppe. Und noch ein Hinweis: Das Tragen von Fahrradhelmen hat schon so manchen schweren Sturz gemildert und sollte schon deshalb ein unbedingtes Muss für jeden RTF-Teilnehmer sein.

Die Teilnahme an Radtourenfahrten ist jedem möglich; auch ohne Mitgliedschaft in einem Radsportverein. Verständlicherweise ist die Startgebühr für Mitglieder geringer. Sie beträgt zwischen 3 bis 8 Euro.

Wie finde ich RTF-Veranstaltungen?

Die wichtigsten Informationen über die verschiedenen Breitensportangebote erhält man durch den jährlich zu Beginn der Saison erscheinenden Breitensportkalender, der über die örtlichen Radsportvereine bezogen werden kann. Hierin stehen alle wichtigen Termine der im gesamten Bundesgebiet durchgeführten Radtourenfahrten. Sie können auch direkt auf die Homepage des BDR gehen.

RTF-Veranstaltungen sind keineswegs auf Deutschland beschränkt. In allen Nachbarländern gibt es ähnliche Veranstaltungen, die sich allerdings im Detail merklich von den in Deutschland üblichen Formen unterscheiden. Wer im Ausland an einer RTF teilnehmen will, sollte sich daher vorher ggf. über den Austragungsmodus und weitere Details informieren.

Welche Arten von RTF gibt es?

RTF-Formel A (Ausdauer) nennt sich der bekannteste und beliebteste Zweig im Radtourenfahren. An festgelegten Wochenend- oder Feiertagsterminen werden von den Vereinen verschiedene Touren unterschiedlicher Streckenlängen (z. B. 40, 70, 110, 150 km) angeboten, so dass jeder seine maßgeschneiderte Tour fahren kann, ohne sich dabei zu überfordern.

Es treffen Familien mit ihren Kindern, die auf Touren von 40 Km in aller Ruhe die Landschaft genießen, auf sportlich orientierte Gruppen, die in ihrem funktionellen Outfit und auf ihren hochwertigen Rennrädern kaum von Profis zu unterscheiden sind und die 100 Km oder mehr in beachtlichem Tempo zurücklegen. Da es aber keine Massenstarts wie bei Radrennen gibt und sich die Strecken entsprechend der Länge teilen, gibt es keinerlei Konflikte. Und genau das ist die Stärke dieses Sports: Wer leistungsorientiert Rad fahren möchte, ohne nun gleich Rennen bestreiten zu wollen, wird hier immer Gleichgesinnte finden, mit denen er sich messen kann. Wer aber seine Freizeit nur aktiv in freier Natur gestalten möchte, wird auf der selben Veranstaltung auch diese Möglichkeit finden. Es überwiegen also die Möglichkeiten der freien Sportgestaltung und nicht die leistungssportlichen Zwänge.

Geradelt wird auf einer ausgeschilderten Strecke. Je nach Art und Beschaffenheit der Strecke fährt man mehrere Kontrollstellen an, wo dann die Sportler auf der Teilnahmekarte den begehrten Stempel als Nachweis, diesen Punkt passiert zu haben, erhalten. Dazu werden meistens Erfrischungsgetränke (Mineralwasser, Tee, Fruchtsaft etc.) und Verpflegung (Bananen, Äpfel, Kekse, Müsliriegel etc.) gereicht. Erste Hilfe- und Pannenservice stehen natürlich zur Verfügung.

Und wenn ich eine besondere Herausforderung suche?

Dann gibt es noch Radmarathons. Hierunter werden diejenigen Veranstaltungen zusammengefasst, die eine Streckenführung über mehr als 200 km ausweisen und für eine Listung im Breitensportkalender des BDR als Radmarathon angemeldet sind. Sie stellen so etwas wie die Königsdisziplin unter den RTF-Veranstaltungen dar.
Das Spektrum der Marathons reicht von eher einfachen, flachen Touren bis zu 24-Stunden-Marathons, Langstrecken-Klassikern wie Trondheim-Oslo (560 Km) oder der seit 1934 im vierjährigen Rhythmus ausgetragenen legendären Fernfahrt Paris-Brest-Paris (1200 Km!). Diese Strecken werden nicht von Profis oder Leistungssportlern bezwungen, sondern von Hobbysportlern, die eine physische und psychische Grenzerfahrung suchen.

Der RSC Wunstorf bietet seit dem Jahr 2000 den gut angenommenen Steinhuder Meer-Weserbergland-Radmarathon mit einer Streckenlänge von 210 km an. Dabei müssen insgesamt 1800 Höhenmeter überwunden werden (siehe Höhenprofil). Die Strecke führt durch landschaftlich reizvolle Gebiete und ist mit entsprechenden Hinweispfeilen gut sichtbar ausgeschildert. Für die erfolgreiche Teilnahme werden 5 Punkte für die Jahreswertung vergeben.
Bei diesen Extremstrecken wird ein besonderes Verpflegungs- und Serviceangebot gestellt. Dadurch ist der Start bei einem solchen Radmarathon mit einer höheren Teilnehmergebühr verbunden. Diese betrug 2004 12,- Euro. Außerdem erhielten die Teilnehmer am Ende eine besondere Auszeichnung.
Daneben werden noch kürzere Begleitstrecken angeboten. Diese betrugen im Rahmen der 21. Wunstorf-Steinhuder Meer-Radtourenfahrt 48, 78, 115 und 153 Km.

Wie funktioniert eine RTF oder ein Radmarathon?

Radtourenfahrten haben keine Sollzeiten, d.h. der Teilnehmer bestimmt - wie bereits oben erwähnt - sein Fahrtempo selbst. Allerdings setzt der Veranstalter aus organisatorischen Gründen einen Startzeitraum von ca. 2 Stunden (z.B. 7.00 - 9.00 Uhr), in dem man losfahren kann und nennt eine Schlusszeit, bis zu der man wieder zurück sein muss. Die Touren werden in der Regel auf einem Rundkurs durchgeführt, d. h. die Teilnehmer kommen wieder zum Startort zurück, wo dann Duschgelegenheiten bestehen. Außerdem bieten die Veranstalter meist ein reichhaltiges Kuchenbüffet, Getränke, aber auch Nudel- oder Kartoffelsalate mit Würstchen an, so dass sich jeder nach der Fahrt gut regenerieren kann.

Mitglieder in einem Verein des Bund Deutscher Radfahrer e.V. oder Landesverbands-Einzelmitglieder können eine RTF-Jahres-Wertungskarte lösen, in der die Punkte für eine erfolgreich beendete Radtourenfahrt eingetragen werden. Die Vergabe der Wertungspunkte richtet sich nach der Streckenlänge. Für Touren ab 40 Km wird 1 Punkt vergeben, ab 70 Km 2 Punkte, ab 110 Km 3 Punkte, bei Strecken von 150 Km und mehr 4 Punkte. Die Punkte zur Jahreswertung werden allerdings nur denjenigen Fahrern gut geschrieben, die im Besitz einer Wertungskarte sind. Wertungskarten erhalten Einzelmitglieder (für Niedersachsen ist das der Radsportverband Niedersachsen) oder die Mitglieder der dem BDR angeschlossenen Radsportvereine beim jeweiligen Landesverband. Sind innerhalb der Saison (Mitte März bis Mitte Oktober) von Frauen 15, von Männern 25 bzw. von Schülern 10 oder mehr Punkte erradelt worden, so erhält man eine Jahresauszeichnung. Gut geschriebene Punkte gehen aber auch in die Vereins- bzw. Mannschaftswertungen der Landesverbände und Radsport-Bezirke ein.

Kann ich in Wunstorf RTF fahren?

Auch der Radsportclub Wunstorf organisiert bereits seit 1984 jährlich die gut angenommene "Wunstorf-Steinhuder Meer-RTF", an der sich bislang etwa 7500 Radtourenfahrer aus dem gesamten Bundesgebiet beteiligt haben. Sie zählt somit zu den beliebtesten "Dauerbrennern" dieser Kategorie. Sie wird seit 2000 zusammen mit dem Steinhuder Meer-Weserbergland-Radmarathon durchgeführt.

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