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Marc und Dirk Schultze beim Ötztaler Radmarathon

Nun schon zum vierten Mal haben Dirk und ich den Ötztaler Radmarathon unter die Räder genommen. Zu fahren waren 238 Kilometer mit 4 Bergen und 5.500 Höhenmetern. Wir wurden früh voneinander getrennt, aber bei 4.000 Startern ist man schließlich nie allein unterwegs. Die Plätze 224 und 731 waren es am Ende nach 8:18 bzw. 9:01 Stunden.

Bekanntermaßen war meine Form dieses Jahr aufgrund einer langen Trainingspause im Winter bisher nicht besonders gut oder beständig. Daher hatte ich noch bis Anfang August mit dem Gedanken gespielt, ob ich überhaupt teilnehmen werde. Ein 3-wöchiges „Trainingslager“ zu Hause im Juli und bergspezifisches Training im August konnten die letzten Zweifel aber ausräumen.

In den Wochen vor dem Ötztaler schwitzte ganz Tirol bei schwülen 30 Grad. Dies sollte sich aber am Tag vor dem Start gewaltig ändern. Dauerregen, Hagel und 10 Grad brachten nicht nur im Tal Abkühlung. Alle umliegenden Bergspitzen waren deutlich mit Schnee bedeckt. Das Timmelsjoch (letzter Berg beim Ötztaler) musste wegen 10 cm Neuschnee gesperrt werden. Und sogar der Schneeflug musste ausrücken, um zahlreiche liegen gebliebene Autos und Motorräder zu befreien.

Am Renntag selber zeigte sich das Wetter aber wieder von seiner besten Seite. Blauer Himmel und strahlender Sonnenschein trieben die 4 Grad am Morgen schnell auf angenehme Werte zwischen 15 und 30 Grad.

Da der Start um 6:45 Uhr ist mussten wir uns schon um 5 Uhr aus den Betten schwingen. Ein Blick aus dem Fenster bestätigte die positive Wetterprognose und zu meinem Entsetzen konnte man schon um 5:15 Uhr Fahrer sehen, die auf dem Weg in die Startblöcke waren. Wohlgemerkt bei schattigen 4 Grad.

Wir begaben uns dann um 6:40 zu unseren Startblöcken. Ich war eigentlich für den ersten Startblock qualifiziert. Da dieser aber bereits schon um 6:30 geschlossen wurde, musste ich dann auch in zweiten Block. Da standen wir nun ca. 50 Fahrer hinter uns und die restlichen ca. 4000 vor uns. Vom Nachteil war dies aber nicht, da durch Echtzeitmessung kein Zeitverlust entsteht, wir auf den ersten 30 km hinunter nach Ötz viel Windschatten hatten und uns von Gruppe zu Gruppen hangeln konnten.

Direkt in Ötz beginnt auch der erste Anstieg von 18,5 km Länge und 1200 hm hinauf zum Kühtai. Aufgrund von hohem Verkehrsaufkommen durch andere Teilnehmer war ein gleichmäßiges Fahren auf dem ersten Drittel des Anstieges nur selten möglich. Nach oben hin war der Großteil überholt und es lichteten sich die Reihen und es konnte zunehmend gleichmäßiger gefahren werden. Leider konnte Dirk mein Tempo dann nicht mehr halten und musste mich ziehen lassen. Als Ersatz hatte ich ab da einen Fahrer aus Rostock, der zum erstenmal am Ötztaler teilnahm. Aufgrund seiner Fahrweise und Optik vermute ich mal, das ihm Rennen auch nicht ganz fremd sind (um es mal vorsichtig auszudrücken). Oben angekommen ging es auch gleich in die sehr schnelle Abfahrt nach Innsbruck. Mein Mitstreiter hatte offensichtlich einen Riesen Spaß und lies es richtig krachen.

Auf dem flachen Stück nach und in Innsbruck hatten wir leider keine so schnelle Gruppe, so dass wir da dann etwas Zeit liegen ließen. Am Ortsausgang beginnt der Anstieg hinauf zum Brenner. Dieser hat eine Länge von 39 km und 777 hm. Nennenswerte Schwierigkeiten gibt es eigentlich nur auf den ersten 5-8 km und den letzten 3 km. Dazwischen kann in den Gruppen sogar die große Scheibe gefahren werden. Unsere Gruppe funktionierte so gut, dass wir viele vor uns fahrende Gruppen auffuhren. Insgesamt hatte ich sogar die 63. schnellste Zeit hinauf zum Brenner.

Oben angekommen nutzten mein Weggefährte und ich erst mal die Labestation, um unsere Trinkflaschen wieder aufzufüllen. Und schon ging es hinunter nach Sterzing. Auf der wenig anspruchsvollen und nicht allzu steilen Abfahrt spielte dann auch ein letztes mal Windschatten eine wesentliche Rolle.

Ab Sterzing beginnt der Ötztaler eigentlich erst richtig. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits 146 km zurückgelegt und es gibt eigentlich nur noch 2 Berge zu überwinden. Nennenswerte Flachstücke gibt es keine mehr.

Als erstes steht der Jaufenpass mit 15,5 km Länge und 1130 hm auf dem Programm. Dieser zeichnet sich durch eine sehr gleichmäßige Steigung von ca. 7-8% aus. In den vergangenen Jahren habe ich diesen Berg hassen gelernt. Immer gleich steil und nicht einmal flacher oder steiler. Immer der gleiche Rhythmus. Dieses Jahr hingegen hatte ich gefühlt gute Beine, so dass es recht gut lief. Gruppen gab es eigentlich keine mehr. Jeder fährt nur noch sein eigenes Tempo. So ließ ich dann auch zu Beginn des Anstieges meinen Weggefährten fahren. Kurz vor dem Gipfel wurden an der Labestation wieder die Trinkflaschen und der Magen mit Essen aufgefüllt.

Jetzt beginnt mein persönliches Highlight des Ötztalers. Es folgt eine sehr kurvenreiche 22 km lange Abfahrt nach St. Leonhard. Es geht fast immer nur durch sehr abwechslungsreiche Kurven und Serpentinen. Ein Großteil der Abfahrt führt durch bewaldete Flächen, was das Ganze dann optisch noch spektakulärer macht. Das einzige Problem ist eigentlich nur, dass wenn man mal so eine Abfahrt runtergedonnert ist, der nächste Besuch einer Achterbahn eigentlich nur noch Kindergeburtstag ist und nicht mehr viel Nervenkitzel auslöst.

Nach 23 Minuten war der Spaß auch schon vorbei und es ging direkt in den letzten schweren Berg. Das Timmelsjoch, Länge 28,7 km, 1759 hm, unten 30 Grad und oben immer noch über 20 Grad warm. Mehr muss eigentlich fast nicht gesagt werden. Ich teile mir diesen Berg immer in zwei Teile auf. Der erste Teil geht bis zur Labestation nach 18 km. Dieser Teil führt Anfangs durch kleine Ortschaften und später durch kleine Baumgruppen, welche ein wenig Schatten spenden. In diesen liegen auch kleine Rampen von bis zu 14% Steigung. Ist erst mal die Labestation erreicht, befindet man sich auf einem kleinen „Flachstück“, auf dem auch mal wieder Geschwindigkeiten jenseits der 20 km/h erreicht werden. An dieser habe ich dann auch ein letztes mal mein Trinkflaschen aufgefüllt. Nun mussten also nur noch ca. 11 km Berg überwunden werden. Diese sind von der Labestation im Voraus zu besichtigen. Sie führen durch Serpentinen an einer steilen Felswand entlang. Also heißt es noch mal alle Kräfte sammeln und gegen die Krämpfe in den Beinen ankämpfen. Denn sobald diese Kilometer überwunden sind hat man es fast geschafft.

Oben angekommen ging es wieder in eine schnelle Abfahrt. Hier konnte ich zu meinem Vergnügen wieder meinen persönlichen Topspeedrekord auf dem Rad verbessern. Dieser legt nun bei 104,7 km/h. Das Schöne ist, dass direkt nach diesem Punkt noch mal eine Gegensteigung mit 200 hm zu überwinden ist. Die erste Hälfte schafft man, noch immer in Aerohaltung, nur durch rollen. Die Zweite muss dann noch mal der Krampf in den Beinen besiegt werden.

Geschafft! Jetzt geht’s bis zum Ziel in Sölden nur noch bergab. Dort werden die Fahrer von ihren Angehörigen schon erwartet. Entsprechend ausgelassen und gut ist die Stimmung.

Nach 8 Stunden, 18 Minuten und 9 Sekunden war das Ziel erreicht. Dies ist zwar meine „schlechteste Zeit“ bei vier Teilnahmen am Ötztaler aber in Anbetracht, dass meine beste Zeit gerade mal 8 Minuten schneller ist, war ich trotzdem sehr zufrieden damit. Dies bedeutete in der Gesamtwertung Platz 224 und 128 in meiner Altersklasse.

Dirk hatte leider einen nicht ganz so guten Tag erwischt. Liefen die ersten beiden Berge noch recht gut, kam an den beiden letzten Bergen ein kleiner Einbruch, worauf hin er Einiges an Zeit im Vergleich zu seinen besten Zeiten verlor. Zu allem Überfluss hatte er auch noch einen Großteil seiner Verpflegung beim Verstauen seiner Windweste auf der Abfahrt vom ersten Berg verloren. Besonders die fehlenden Gels machten sich dabei bemerkbar. Somit erreichte er nach 9 Stunden und 1 Minute Sölden und somit in der Gesamtwertung Platz 731 und 268 in seiner Altersklasse. In Anbetracht berufsbedingt fehlender Trainingskilometer finde ich dies trotzdem ein sehr gutes Ergebnis.

Homepage des Veranstalters

Nächstes Jahr heißt es dann wieder neues Spiel neues Glück beim Ötztaler oder beim Maratona dles Dolomites... oder beide?

Super Bericht

Hi Marc und Dirk,
Glückwunsch zu euren Zeiten beim Ötzi!
Der Bericht liest sich super und für mich steht fest, das ich dieses Event im nächsten Jahr auch wieder angehen will.
Bis demnächst auf dem Rad oder auch so mal.
Gruß Rico

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