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17. September |
VM

Lito kann über Anstiege beim Ötztaler nur lachen

Hallo liebe Freunde des Radsports, ich sag mal "I have a dream". So lautet jedenfalls der Ötztaler Radmarathon Werbe-Slogan. Ich hatte alles daran gesetzt, dass daraus für mich nicht "I have a nightmare" wurde. Das habe ich auch ganz gut hinbekommen. Hier ein kleiner Reisebericht vom vergangenen Wochenende.

Freitag

Am Freitag bin ich zusammen mit unserem Vereinskollegen Ullrich Gehrmann um Punkt 5.00 Uhr von Wunstorf in Richtung Sölden aufgebrochen. Wir hatten uns gut mit Essen und Trinken versorgt und nach ein paar Stunden Autofahrt und netter Unterhaltung hat uns der Alfa sicher in Sölden so gegen 13.00 Uhr ausgespuckt. Die Haube hielt zwar dieses Mal aber irgendwie pustete der Alfa aus dem linken Radkasten etwas raus, was die gesamte linke Seite mit einem leichten graugelben Schleier überzog. Da ja bekanntlich zickende italienische Autos italienischen Frauen ähneln, haben wir den Vorfall einfach ignoriert. Und siehe da, in Sölden wurde nicht mehr raus gepustet!

In Sölden angekommen haben wir gleich unsere Startunterlagen besorgt und hatten uns bei einem alkoholfreien Bier das Treiben in der Stadt angeschaut. Wir sahen auffällig viele schlanke Leute mit herausstehenden Wangenknochen! Ob die wohl alle den Ötztaler fahren wollten? Als wir dann entlang der Hauptstraße Richtung Haus Anton gegangen sind, kam uns ein RSC'ler im schnellen Tempo entgegen. Wer war das bloß?

Am Abend kam dann noch der neue Vereinskollege Thomas Störringer mit seiner Frau in Solden an und wir gingen gemeinsam in das Restaurant Zum Grauen Bären. Sehr zu empfehlen!

Samstag

Heute gab es kein Training. Dafür fuhr ich nach dem Frühstück alleine mit meinem Alfa über das Timmelsjoch in Richtung Kaltern um mich mit etwas Wein einzudecken.

Auf der Rücktour besuchte ich noch Freunde auf der Kalterer Höhe und scheuchte dann meinen Sportwagon den Pass hoch zurück nach Sölden. Zwischendurch wurde der Italiener am Pass so heiß, dass ich ihm mit voll aufgedrehter Innenraumheizung zusätzliche Kühlung verschaffte. Mir wurde ganz schön schummerig als ich während der Fahrt mir überlegte, dass ich einen Tag später hier hochfahren sollte. Mit dem Rad!

Die Nervosität stieg bei mir dann proportional zur nahenden Startzeit am nächsten Morgen um 6.45 Uhr an. Zuhause im Gästehaus Europa angekommen gab es dann noch ein lecker Essen natürlich im grauen Bären und dann mit einem winzigen Schluck Kalterer ab ins Bett. Den winzigen Schluck Kalterer natürlich nur wegen der Nervosität versteht sich.

Sonntag Renntag

Um 5.00 Uhr war die Nachtruhe beendet. Kurz Frühstück und danach das Übliche Fertigmachen. Das kennt ja jeder Rennfahrer. Und dann stand ich endlich am Start. 6.25 Uhr. Es war nicht sonderlich kalt. 17° und feucht. Es hatte die ganze Nacht geregnet mit Blitz und Donner. Der Morgen danach sah jedenfalls sehr verheißungsvoll aus. Punkt 6.45 Uhr donnerte der Kanonenschuss über das 1,2 Km lange Starterfeld. So ca. 15 Minuten später setzen auch wir uns in Bewegung.

Kurzer Bericht zum Rennen

Der Kühtei

Von Sölden ging es ca. 35 Km bergab nach Ötz. Hohes Tempo von 70 und mehr war keine Seltenheit. In Ötz ging es in einem Kreisel rechts hoch zum Kühtei. Nach ein paar hundert Metern zog ich meine Regenjacke, die Überschuhe und die langen Fingerhandschuhe aus.

Oben am Kühtei angekommen hatte ich eine Gesamtzeit von etwas über 2 Stunden. Nach 50zig Kilometern und 1200 Hm Antieg. Das sah ja eigentlich schon ganz gut aus aber weitere Anstiege warteten ja noch auf mich.

Der Brenner

Den Kühtei hinab gefahren ging es dann über Innsbruck 40 Km hinauf in Richtung Brenner. Der Brenner liegt immerhin auch auf einer Höhe von knapp 1400 Metern. Auch die Strecke bin ich in einer ordentlichen Zeit gefahren. Ulli versorgte mich an der Brennerstation väterlich mit Brühe, Kuchen und Käsebrot. Aber dann ging es weiter hinab nach Sterzing.

Der Jaufenpass

Im Kreisel vor dem blöden Jaufenpass wurde der Verkehr von großen, kräftigen Rockern geregelt. Die mächtigen Rocker - Schopper standen auf dem Seitenständer abgestellt am Straßenrand. Das wirkte schon im Ansatz etwas beunruhigend. Ja, Marc Schulze und Andere sagten mir, dass das Rennen erst am Jaufenpass beginnen würde. Und da ich ja kein Rennfahrer bin, hat für mich das Rennen auch nicht begonnen.

Der Pass zieht sich über fast 1200 Hm ohne einmal von meinen Beinen zu lassen mit einer permanenten Steigung in eins hoch. Oben angekommen hatte ich meine Nerven verloren. Gott sei Dank hat Ulli sie wiedergefunden. Dann bekam ich wieder Nerven und Sportlernahrung. Cola, Brühe, Käsebrot und Kuchen. Den Kuchen bekam ich dann aber schon nicht mehr rein. Und nach ein paar Minuten ging es in Richtung St. Leonhard im schönen Passeiertal. Wir kamen in der Abfahrt vom Jaufenpass in eine ungemütliche Wetterzone mit starken Regen, Blitz und Donner.

Nach der Regenfahrt hatte der Wettergott Petrus Mitleid mit uns gehabt. Von nun an gab es keinen Regen mehr. Dafür aber jede Menge Wind. Das war so ein bisschen wie Kolera oder Pest.

Das Timmelsjoch

Die Auffahrt zum Timmelsjoch war sehr anstrengend aber es gab immer wieder mal Waagerechte Passagen oder auch kleine "Sättel" zum Ausruhen. Deswegen finde ich den Jaufenpass gegenüber dem Timmelsjoch deutlich schwieriger zu fahren. Irgendwann nach fortgeschrittener Stunde habe ich mit Ulli den Tunnel vorm Timmelsjoch erreicht. Ich dachte, jetzt nur noch runter rollen und dann fertig. Aber vor der Mautstation gab es noch ein kleiner Höhenunterschied von knapp 200 m zu überwinden. Den fand ich an dieser Stelle dann gar nicht mehr lustig.

Nach der Mautstation ging es mit richtig viel Wind im Gesicht hinunter ins Tal nach Sölden. Es kamen noch zwei kleinere Anstiege. Die waren jedoch nicht so schwer.

Am Ziel

Nach etwas mehr als 12 Stunden bin ich dann im Ziel angekommen und konnte mir MEIN Trikot abholen.
Thomas Störringer wartete draußen im Zielbereich mit einer warmen Jacke auf mich. Sehr aufmerksam. Leider konnte Thomas diesen Tag nicht mitfahren, da er krank war. Am Abend gingen wir gemeinsam zum Abendessen in den grauen Bären und feierten Christinas Geburtstag und meinen Erfolg.

Das war ein schöner, runder Abschluss.

Montag

Nach einem gelungenen Wochenende stand die Heimfahrt an. Planmäßig am Tag der Abreise von ungefähr 4000 Autos hatten die blöden Österreicher am Ortsausgang Richtung Heimat eine Baustelle eingerichtet.
Die Grünphase ließ dann immerhin doch 5 Autos passieren. Den perfekten Österreichern fehlt wie immer das nötige Feingefühl.

So, da ich der Haube von meinem Alfa nicht traute, habe ich die 140ziger Marke auf der Autobahn auch nur in äußersten Notfällen überschritten. Das verschaffte uns einen respektablen Durchschnittsverbrauch von gerade mal 5,6 Litern. Auf den Tankstelllen sahen wir noch jede Menge Ötztaler. Einige von Ihnen trugen sogar das Ötztaler finisher Trikot. Wie peinlich, oder?

Fazit

Ich habe es geschafft und es wurde kein Alptraum. Für mich soll es das gewesen sein. Wenn ich eine bessere Zeit fahren wollte, dann muss ich mich das ganze nächste Jahr genau darauf konzentrieren und vorbereiten. Aber will ich das? Hm... Ich kann mir gut vorstellen, dass die meisten Fahrer vom Ötztaler Wiederholungstäter sind. Die meisten Fahrer die aufhörten waren sicherlich Neulinge.

Eine sehr gute Einstiegszeit ist unserem neuen Vereinskollegen Mirco gelungen. Der ist weit unter 10 Stunden geblieben. Ganz zu schweigen von Marc und Dirk Schulze. Die waren in den letzten Jahren ganz vorne mit dabei. Als untrainierter Einsteiger so ein Ding zu fahren ist fast unmöglich.
Da erstaunlich wenig Unfälle auf der Strecke passieren kann man davon ausgehen, dass alle Fahrer schon länger auf dem Rad sitzen und eine gewisse Erfahrung mitbringen. Also, wer möchte und einen Platz beim Ötztaler bekommen sollte, der darf ein dreiviertel Jahr hart trainieren, kein Alkohol trinken und ein nötiges Gewicht machen.

Dann aber los. Und bevor ich es vergesse. Ganz billig ist der ganz besondere Tag auch nicht!

Gute Nacht

Lito

Ötztaler

Schöner Bericht.

Entweder mag "Mann" den Ötztaler, oder haßt Ihn. Ich persönlich hatte meine ersten Haßgefühle kurz vor der Labestation am Jaufenpass und dachte mir nur, oh mein Gott, jetzt kommt noch so ein Kracher, wie das Stilfser Joch beim DLG. Naja, was solls am Ende ja doch geschafft.

Der RSC´ler, der Lito entgegen kam, könnte ich gewesen sein. Marit und ich sind am Freitag noch mit drei Bekannten nach Vent hinauf gekurbelt. 17km und ca. 700Hm um Apfelstrudel, Vanilleeis und Sahne zu essen, als ob es soetwas nicht auch in Sölden gibt. Naja, oben in Vent angekommen ist bei Marit die Kette gerissen und Flickzeug hatten wir nicht. So bin ich also wieder nach Sölden gesaust und habe das Rad gegen das Auto getauscht. Wieder in Vent angekommen gab es dann auch den ersehnten Apfelstrudel.

Am Samstag war dann Fotoshooting, Shopping und Essen angesagt und am Sonntag dann das gleiche Programm, wie oben schon beschrieben.

Will ich den Ötzi noch einmal fahren? Ja, ich will, weil ich noch eine unter 9 Std. Rechnung offen habe, die ich gerne knacken möchte. Wenn nicht 2013, dann halt 2014.

Anbei noch ein Link zum HFS-Forum. Dort gibt es auch noch einige Berichte und Bilder. Den Bericht von dirksen1 nicht versuchen zu verstehen. Ist etwas durchgeknallt.

http://forum.helmuts-fahrrad-seiten.de/viewtopic.php?t=5881

Gruß

Mirco

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