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17. September |
VM

Sebastian Rösch bezwingt die Alpen beim Tour-Transalp

Über 1300 Starter, resp. 650 Teams (156 Männer, 106 Mixed, 31 Damen, 258 Masters, 140 Grandmasters) aus aller Welt hatten sich vom 23.06. bis zum 29.06. ein Ziel gesetzt: 827,44 km und 18.105hm in 7 Tagen zu bewältigen: bei der diesjährigen Tour Transalp. Mit dabei Sebastian Rösch - der neben vielen Bergen auch Regen und Schnee überwinden musste.

Tatsächlich waren „nur“ 736,09km und 16.140hm mit insgesamt 17 Pässen zu bewältigen.
Die zweite Etappe wurde nämlich nach dem ersten Renntag aufgrund schlechten Wetters (Schneefallgrenze unterhalb 1800m) abgesagt. Es gab lediglich eine neutralisierte Überführung von St. Anton nach Imst außerhalb der Wertung.  Letztes Jahr habe ich mich aufgrund der Empfehlung meines ebenfalls radbegeisterten Bekannten Mario entschieden, dieses Jahr dabei zu sein. Meinen Teampartner Alex habe ich über Mario kennengelernt. So waren wir insgesamt zu fünft, ein Mixed Team (Mario + seine Freundin Franzi), ein Männer Team (Alex, Ich) und Stefan als Fahrer/Betreuer für unseren eigenen Transporter (was sich als wahrer Luxus herausstellte). Die Übernachtungen haben wir im Vorfeld selbst gebucht.
Ich persönlich war mit dem Rad noch nie in den Alpen und konnte von daher nur ahnen, was mich erwartet. Allein die Erzählungen über die Pässe und die Region vermitteln noch nicht die tatsächlichen Herausforderungen und die wahre Schönheit. Aufgrund der Wetterverhältnisse begann mein effektives Training erst so richtig im Mai, das ging dem ein oder anderen sicherlich ähnlich, die sich kein Trainingslager gegönnt haben. Mit insgesamt ca. 2500 Trainingskilometern (Straße+MTB) habe ich sicherlich die Untergrenze von dem gestreift, was man für eine Tour Transalp in den Beinen haben sollte, um gut durchzukommen. Ich habe bei der mir wenig verfügbaren bzw. aufgewendeten Zeit auf recht intensives Training bei kleinen Umfängen und einem größeren Teil Regeneration gesetzt.

Die Etappen

Datum Etappenorte Pässe Kilometer Höhenmeter
23.06.2013 Sonthofen - St. Anton am Arlberg 3 124,8 2.279
24.06.2013 St. Anton am Arlberg - Imst 2 91,35 1.965
25.06.2013 Imst - Zernez 1 110,02 2.474
26.06.2013 Zernez - Livigno 4 136,91 3.994
27.06.2013 Livigno - Aprica 4 116,66 2.878
28.06.2013 Aprica - Kaltern 3 144,2 2.890
29.06.2013 Kaltern - Arco 2 103,5 1.625

Tag 1

Die erste Etappe von Sonthofen nach St. Anton startete direkt vor unserem Hotel in Sonthofen. Das Wetter zum Start war angenehm. Allerdings war für den Tag auch Regen angesagt. So rüstete man sich dementsprechend mit Regen/Windjacke. In den Alpen sollte man dieses geringe Mehrgewicht sowieso immer einplanen, da plötzliche Änderungen der Witterung oder auch nur eine Passabfahrt zu einem frostigen Erlebnis werden können. Um Punkt 10 gab es den Startschuss und die ersten Fahrer aus Block A begaben sich auf den Weg. Unser Block C durfte kurze Zeit später starten. Die neutralisierte Fahrt bis hinter Immenstadt verlief ziemlich chaotisch. Die geringen Abstände zwischen den Startblöcken sorgten bei Tempo 20-25 für permanentes Stop&Go und teilweise akrobatische Ausuferungen mancher augenscheinlicher Fahranfänger. Das Rennen wurde erst hinter dem großen Alpsee freigegeben. Mittlerweile war die Straße feucht, von oben regnete es aber nur wenig. Die Blöcke zogen sich in die Länge und es gab viele kleine Gruppen, die ihr eigenes Tempo fuhren. Da die ersten 60km relativ flach verliefen, waren die Gruppen leistungstechnisch noch sehr durchwachsen. Am ersten Pass, dem Hochtannbergpass, wurde dann allerdings schon mal sortiert, bei wolkenverhangenem Wetter ging es langsam bergauf. Nach der Abfahrt ins Lechtal, ging es hinauf auf den Flexenpass. Mit seinen endlos erscheinenden Galerien und dem groben Asphalt kam mir die Auffahrt sehr lang vor. Hier gab es im Gegensatz zum Hochtannbergpass allerdings schon mal etwas Aussicht. Die folgende Auffahrt zum Arlbergpass, war dann nur noch kurz, da wir insgesamt schon recht hoch waren. Mein Teammember Alex hatte dann am Arlberg in der Abfahrt einen Defekt. Dieser Platten kostete uns 15 Minuten Zeitverlust, ihm ist aber nichts passiert. Ein anderer Radfahrer ist auf dieser Abfahrt tragisch ums Leben gekommen. Nachträglich ist bekannt geworden, dass der Fahrer wohl einen Herzinfarkt erlitten hat.

Herren Team Tageswertung: Platz 90 Overall: 229
Mixed Team Tageswertung : Platz 76 Overall: 564

Tag 2

Aufgrund der Tatsache, dass die Etappe abgesagt wurde und auch nicht in die Wertung mit eingehen würde, entschlossen wir uns an diesem total verregneten Montag einen Autotransfer von St. Anton nach Imst vorzunehmen. Der erste Tag hatte uns gezeigt, wie schlecht die neutralisierten Fahrten bei geringen Geschwindigkeiten mit der Anzahl an (teilweise technisch wirklich schlechten) Fahrern sind. So fuhren wir gemütlich nach Imst und hatten unerwartet einen lockeren Tag für die seelische Vorbereitung auf das was da kommen mochte…
   
 
 
 

Tag 3

Heute war Start um 09.00 Uhr, die Straßen feucht, es sollte ein Tag mit wechselnden Witterungsverhältnissen werden. Neutralisiert (mittlerweile Startblock B) ging es aus Imst heraus, direkt zur Anfahrt auf die Pillerhöhe. Wir starteten auf ungefähr 700m NN. Die Pillerhöhe mit 1558m NN hatten wir dabei bereits nach 20km erreicht. Wo es hoch geht, geht´s auch wieder runter, so kam dann die Abfahrt auf teilweise komplett neuen Straßen, aber auch schlechten Pisten inkl. Bodenwellen, Schlaglöchern usw. Manch ein Fahrer ist hier auf viel Risiko gefahren und auch mal in der Leitplanke oder dahinter gelandet… Teilweise fragt man sich nach der Taktik, die hinter manchen Aktionen steckt. Schließlich sind es noch ein paar km bis nach Arco. Da Alex noch mit recht neuen Reifen unterwegs war, kroch er die Abfahrt herunter und ich habe mich entschieden in einer Gruppe weiter vorn zu fahren. Bei Km 40 gab es ein paar Ausreißversuche von einzelnen Fahrern. Dabei konnte ich mich zusammen mit drei anderen Fahrern vom Feld lösen und bei ca. Km 50 auf ein größeres Fahrerfeld (Startblock A) aufschließen. Kurz danach bei Ramosch ging es dann in den Ersten, der drei noch zu bewältigenden Anstiege. Hier hat sich die Sonne mittlerweile wieder gezeigt und es wurde recht warm am Berg. Jenseits der Hauptverkehrsstraßen ging es hier durch kleine Dörfer mit viel Charme und schönem „Drumherum“. Von Guarda aus ging es dann die letzte wirklich schöne Abfahrt hinunter, bis es dann nur noch flach ins Ziel ging. Ab km 95 wurde es nochmal schnell und bis zum Ziel passierte nichts wesentliches mehr.

 
Herren Team Tageswertung: Platz 53 Overall: 106 Team Gesamtwertung: 63
Mixed Team Tageswertung : Platz 56 Overall: 511 Team Gesamtwertung: 66

Tag 4

Mit dem Start in Zernez begann die Königsetappe der Tour mit 136,91km und 3994 Hm schon sehr früh um 08.00 Uhr. Dementsprechend war der Wecker auf 05:30 Uhr gestellt. Der neutralisierte Start über den Ofenpass war wieder echt nervig. Es sollten satte 36km sein. Die Schweizer Polizei erlaubte sich diese Maßnahme aufgrund des Verhaltens der Spitzengruppe am Vortag (Durchfahrt der Baustelle bei roter Ampel). Gerade Bergab ist es gefährlich, wenn die Startfelder mit Stop&Go hinter den Marshalls herfahren.
Die ersten 1000hm waren nach km 20 überwunden. Danach waren 35km Abfahrt angesagt. Hier kam es dann wieder zur üblichen Gruppenbildung bis zum Anstieg. Die Temperaturen im Tal waren angenehm warm bei trockener Witterung. Bei Km 60 begann dann in Prad die Anfahrt auf das Stilfser Joch oder auch „Stelvio“ genannt. Hut ab, ein ordentlicher Pass mit seinen 48 Kehren, der seinesgleichen sucht. Nicht übermäßig steil, aber über knapp 25km durchschnittlich 7% muss man erst mal fahren. Hinzu kommen die anfänglich akzeptablen Temperaturen um die 18°, später die nicht mehr so schönen 0° auf dem höchsten Punkt (2757 NN). Hier war die Bekleidungswahl gar nicht so einfach. Doch die Arm –und Beinling Lösung war gut, man war damit sehr dynamisch. Und, na klar, die Regen/Windjacke war auch dabei. Die letzten beiden Pässe (Passo Foscagno / Passo d`Eira) am Ende waren dann nochmal richtig schwer und meine Körner dann auch aufgebraucht. Gottseidank ging es danach nur noch bergab bis nach Livigno.

Herren Team Tageswertung: Platz 75 Overall: 161 Team Gesamtwertung: 72
Mixed Team Tageswertung : Platz 65 Overall: 490 Team Gesamtwertung: 60

Tag 5

Heute ging es zurück auf der Strecke des Vortages über den Passo d´Eira und den Foscagno diesmal allerdings dann in Richtung Süden. Durch das schöne Veltlin ging es bei guten Witterungsverhältnissen und recht angenehmen Temperaturen zielstrebig in Richtung Mortirolo. Der Mortirolo sollte ein weiteres Highlight der Tour sein, was den Anspruch anbelangt. Auf über 10km mit Rampen von bis zu 20% durfte man einige Körner lassen. Man merkte, dass die Teilnehmer bereits einige Höhenmeter in den Beinen hatten und insgesamt wurden die meisten Fahrer meinem Empfinden nach jetzt bereits merkbar schwächer. Eine wirklich traumhafte Gegend, bei der man echt Fernweh bekommen kann. Die anschließende Abfahrt war enorm anspruchsvoll. Es waren schlechte Straßen mit wirklich heftigen Unebenheiten und unübersichtlichen Stellen. Diese ging ganz schön auf den Rücken, hat aber echt gefetzt. Ich habe mich dann an zwei gute Abfahrer geheftet, die die Strecke ein wenig kannten. Somit konnten wir uns in der Abfahrt von einer größeren Gruppe deutlich absetzen. Am Schlussanstieg von über 6km nach Aprica mussten die Beiden allerdings reißen lassen, hier konnte ich noch etliche Plätze gut machen und einige andere Teams überholen.

Herren Team Tageswertung: Platz 82 Overall: 157 Team Gesamtwertung: 72
Mixed Team Tageswertung : Platz 62 Overall: 488 Team Gesamtwertung: 62

Tag 6

Heute war der erste Start ohne Beinlinge und Regenjacke. Heute standen der Passo Tonale, das Brezer Joch und der Mendelpass auf dem Plan, um den vorletzten Etappenort Kaltern zu erreichen.
Nach neutralisiertem Start wurde das Rennen am Fuße des Passo Tonale freigegeben. Der Tonale ist recht flach und angenehm zu fahren, von Edolo bis zum Gipfel sind es aber auch 30km. Die Passhöhe war wolkenverhangen und die dann folgende Abfahrt ziemlich feucht. Einige versuchten hier Plätze gut zu machen und fuhren die Abfahrt meinem Empfinden nach sehr mutig hinab. Im Anschluss ging es überwiegend über große und breite Straßen und durch grüne Täler. Nach einer längeren Fahrt in ebenem Terrain, folgte das Brezer Joch. Hier ging es teilweise nochmal mit knackigen Prozenten gut zur Sache. Die Km Angaben der Etappe stimmten leider nicht und man wusste nicht genau, wann mit der Abfahrt zu rechnen war. Naja, irgendwann kam sie dann und es ging wieder schön bergab. Das dauerte allerdings nicht allzu lang, denn der letzte Pass des Tages wartete schon… Hier waren überwiegend flache Steigungen zu bewältigen, was den meisten wohl entgegen kam. Die Abfahrt nach Kaltern hatte es dann nochmal in sich. Zusätzlich zu den nassen Straßen, kamen auch noch Ölflecken. Die Zeitnahme war dann aus Sicherheitsgründen recht weit oben im Ort.
Hier noch eine Empfehlung am Rande… In Kaltern kann man im Restaurant „Zum Turm“ wunderbar essen, die Bedienung ist sehr nett und das delikate Essen kommt sensationell schnell (fast schon zu schnell ;) )

Herren Team Tageswertung: Platz 73 Overall: 151 Team Gesamtwertung: 68
Mixed Team Tageswertung : Platz 62 Overall: 489 Team Gesamtwertung: 60

Tag 7

In Kaltern gab es den schönsten Start der Tour mit super Sonnenwetter bei klasse Temperaturen. Unser gestecktes Ziel für das Herrenteam war eine Platzierung in Arco unter den Top 150 Gesamt. Deswegen sind Alex und ich diesen Tag bewusst zusammen gefahren. Das Rennen verlief durch das Tal inmitten der Weinplantagen. Die Straßen waren teilweise wirklich sehr schlecht mit tiefen Schlaglöchern, es waren unzählige Rennfahrer mit Defekten am Straßenrand zu sehen. Die ersten 30 km haben wir mit einem 41er Schnitt zurückgelegt, danach folgte die 15km lange Steigung auf den Fai della Paganella. Hier konnten wir noch ein paar Plätze gut machen, viele Teams hatten zum Ende hin vergleichsweise stärker abgebaut, was sich für uns zum Vorteil erwies. Auf dem letzten Pass waren nochmal 800hm zu überwinden. Das Fahrerfeld war schätzungsweise 40-50 Mann stark. Auf dem Gipfel waren es dann noch ca. 18km bis ins Ziel. Die Zeitnahme war hier auch hier wieder weit vorm eigentlichen Zielbereich. Kurz vorm letzten Gipfel entschied ich mich einen Ausreißversuch zu starten. Hierbei konnte ich auf zwei andere Fahrer, die sich bereits zuvor abgesetzt hatten, aufschließen. Die beiden waren allerdings zu langsam um den Vorsprung ins Ziel zu retten. So fuhr ich alleine vorbei am Tennosee, mit wunderschönem Ausblick in das weite Tal, welches den Gardasee offenbarte. Es folgten unzählige Serpentinen durch die nachfolgenden Orte, welche teilweise gut von Zuschauern besucht waren.
Nach einer herrlichen Abfahrt konnte ich dann knapp als erster der Gruppe über die Zeitmessung fahren, dicht gefolgt von den Nachzüglern.

Herren Team Tageswertung: Platz 26 Overall: 148 Team Gesamtwertung: 66
Mixed Team Tageswertung : Platz 51 Overall: 55 Team Gesamtwertung: 484

Fazit

Mit Platz 148. Gesamt haben wir unser Team-Ziel erreicht. Für mich war die Tour-Transalp eine tolle Erfahrung, tolle Strecken durch klasse Landschaften. Gepaart mit überwiegend gut gelaunten und netten Menschen. Ich finde es ein bisschen schade, dass viel mehr Reglement geschrieben steht, als wirklich gelebt bzw. umgesetzt wird.
Ein für mich unverständliches Beispiel sind die fehlenden Dopingkontrollen, ein No-Go in der heutigen Zeit. Gerade die Startgebühr von 695€ sollte dafür Spielraum bieten.
Insgesamt muss ich doch sagen, dass die Tour gut organisiert war und sich die Erfahrung definitiv gelohnt hat.

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