Mitglieder-Login

Nächste RSC-Termine

17. September |
VM

600 Kilometer Brevet und nur ein wenig Regen

Bei den Vereinsmeisterschaften im Einzelzeitfahren zeigten sich bei mir doch Schwächen. Deshalb habe ich längere Strecken trainiert. Die Qualifikation für Paris-Brest-Paris habe ich damit erreicht, jetzt muß ich nur noch einen Startplatz bekommen. Die letzte Hürde war das 600er Brevet. Ein Bericht von Ulrich Gehrmann.

Brevet 600 km am 30.4.2015 – Kiel nach Seeland, DK, und zurück

Ich bin zurück von meinem Brevet und noch sehr müde, weil wir in die 1. Nacht von Kiel hinein gestartet sind, über die Fehmarnbrücke und Fähre nach Dänemark bis nahe Kopenhagen und dann in großem Bogen zurück geradelt sind. Weil wir die 400 km in Dänemark an einem Kalendertag hinter uns gebracht hatten, konnten wir das Ticket sogar als Tagesticket noch für die Rückfahrt gegen 21.30 Uhr nutzen. An der Strecke in Holstein brannten in abgelegenen Orten diverse Feuer wegen der Walpurgisnacht. Die Feiernden riefen die plötzlich auftauchenden Lichterketten immer an: auf der Hinfahrt: „Wo wollt ihr denn so spät noch hin“. Wir riefen zurück „Kopenhagen“ und wussten, dass sie uns für unglaubwürdig hielten. Da sich das Fahrerfeld so langsam zerlegte, muss den Feiernden die Antwort so langsam stimmiger vorgekommen sein. Auf der Rückfahrt in der 2. Nacht brannten wieder einige Feuer und sie riefen gleich: “Wo kommt Ihr denn her?“ Wir antworteten nur: „Kopenhagen“! Und wir Geisterfahrer schienen sie so langsam überzeugt zu haben.

In der 2. Nacht kamen wir auf der Rückfahrt von Oldenburg aus nach vielfältigem Abzweigen auf kleinsten Wegen, die man ohne gps-Gerät im Dunkeln gar nicht gefunden hätte, mit vielen kleinen Steigungen um 3.50 wieder in Kiel zurück. Beide Nächte hatte uns der Vollmond aus Wolkenlücken zugelächelt. Das Rad in den Kofferraum gelegt, Beifahrersitz in Liegeposition gestellt, Schlafsack über den ermatteten Körper gelegt und dann in den Tiefschlaf fallen, waren eine Sache von wenigen Momenten. Als ich gegen 8 Uhr aufwachte, standen noch sehr viele Autos von anderen Teilnehmern, die bis 13 Uhr als Limit Zeit haben würden. Auf der Rückfahrt mit dem Auto musste ich noch zwei mal auf Raststätten anhalten, um ein Nickerchen einzulegen.

Weil  ich mit Leuten gefahren bin, die jünger und schneller unterwegs waren als ich allein gefahren wäre, musste ich über viel Kraft fahren. Aber wohl noch schlimmer war die Kälte, die nachts kurz über den Frostgraden lag. Gestartet sind wir um 21 Uhr bei letzter Resthelligkeit, um 8 Stunden im Dunkeln und gelegentlichem Mondschein zu fahren. Ab km 400 nahmen Kniebeschwerden bei mir zu… und jetzt kann ich kaum noch Treppen steigen,,, So etwas ist für alte Leute nichts. Dieses mal hat der Tacho nicht versagt: genau 512 km sind wir in den ersten 24 Stunden gefahren und standen kurz nach 21 Uhr auf der dänischen Seite in Rödyhaven. Die Fähre mit einer Stunde für Hinfahrt zählt da mit. Es ergibt einen gefahrenen Schnitt von 26,9 km/h, d.h. von den 31 Stunden, die wir unterwegs waren, sind wir nur ca. 23 Stunden geradelt. Die Differenzzeit ist für die Fähren und Kontrollstellen weggegangen.

 

Ich bin beeindruckt, wie die Dänen bei dem Karikaturenstreit Stärke zeigten, wo die Mehrheit der westlichen Welt wegduckte. Aber auf der Straße zeigen die Autofahrer nötigendes Verhalten, so dass wir dort ganz unangenehme Erfahrungen machten, die uns irritierten:

 

Sicher lässt sich jedes Richteramt für Verkehr in Dänemark leicht mit vielen selbstlegitimierenden Bürgern besetzen. Wie sich doch die ruhigen, Abstand wahrenden und toleranten Menschen in aggressive gewaltbereite Erzieher verändern, wenn sie im anonymisierenden Auto sitzen. Auffällig ist die verkehrspolitische Rechthaberei in Dänemark. Wenn nur ein Radweg ausgeschildert ist, hupen die Autofahrer uns auf der Straße radelnden aggressiv nötigend an und fahren körperlich bedrohlich nahe an uns vorbei. Und da scheint es kein Pardon zu geben: Viele Radwege sind für ihren gewidmeten Zweck ungeeignet schlecht vom Belag, dass man sich an den englischen Ausdruck für Rad ‚boneshaker’ erinnert fühlt, manches mal war auch gar kein Radweg da, was uns auch nicht vor Nötigungen schützte. Aber auch wenn kein Gegenverkehr sie an einem abstandsreichen Überholvorgang behindert hätte, wurde gehupt und gefährlich dicht passiert! Für den geringen Autoverkehr an einem Feiertag war das erschreckend. Rechthaber lassen sich nicht überzeugen, aber die 3 Platten ereilten uns auf den Randstreifen oder Radwegen!!

Die Strecke selbst war abwechslungsreich. Unsere Gruppe hatte Glück mit dem Regen, weil die Streckenführung uns häufiger an den gewaltigen Wolkenbergen vorbeiführte, die anderorts zu Starkniederschlägen geführt haben dürften. So sind wir bestimmt an fünf räumlich begrenzten Gebieten vorbeigefahren, wo eine Hagelschicht oder große Pfützen mit Sandanschwemmungen auf Starkregen hindeuteten. Mit dem Rennrad wird man dann auch nass, nämlich von unten.

Inhalt abgleichen Inhalt abgleichen